2026 verlassen KI-Agenten in großer Zahl die Pilotphase. Den Sprung in den produktiven Betrieb schaffen Teams, die früh auf Engineering-Disziplin gesetzt haben. Die beste Prompt-Formulierung spielt dabei eine kleine Rolle.

Vor zwei Jahren reichte vielleicht ein versierter Prompt Engineer. Heute braucht es ein breiteres Profil. IBM beschreibt dieses Berufsbild, den Agent Engineer, mit sieben Kernkompetenzen, die sich in der Praxis bestätigen:
- System Design. Ein Agent besteht aus Modellen, Werkzeugen, Schnittstellen, Datenbanken und Sub-Agenten. Die Architektur entscheidet über die Stabilität.
- Tool- und Vertragsdesign. Strikte Schemata verhindern Lücken, die das Modell sonst mit Erfundenem füllt. Abgelaufene Anmeldungen und veränderte Schemata sind häufige stille Fehlerquellen.
- Retrieval Engineering. Chunking, Embeddings und Re-Ranking. Die Qualität der gefundenen Dokumente begrenzt die Qualität des Agenten.
- Reliability Engineering. Wiederholungen, Timeouts, Rückfallebenen und Circuit Breaker, übertragen auf nicht-deterministische Komponenten.
- Security und Safety. Prompt Injection ist real. Klare Grenzen für die Aktionen eines Agenten sind die Grundlage jeder Freigabe.
- Evaluation und Observability. Wer nicht erklären kann, warum ein Agent gescheitert ist, kann ihn nicht verbessern.
- Product Thinking. Erwartungen steuern, Vertrauen aufbauen, mit Fehlern umgehen und sauber an Menschen übergeben.
Parallel entsteht eine zweite Rolle, die fachliche Betriebsführung. Sie legt fest, was der Agent darf, welche Daten er nutzt und wann eskaliert wird. Hier trifft Engineering auf Governance.
Nächste Schritte
- Die sieben Kompetenzen als Reifegradraster nutzen und ehrlich prüfen, wo die größten Lücken sind
- Eine Pilotumgebung mit voller Observability aufbauen, bevor Fachverfahren angebunden werden
- Fehler früh in Testfälle überführen, damit produktive Agenten nicht unbemerkt nachlassen
- Die fachliche Betriebsführung früh besetzen
Prompt Engineering hat KI dahin gebracht, wo sie heute steht. Agent Engineering bringt sie in den Betrieb. Den Unterschied sieht man spätestens um drei Uhr morgens, wenn der Agent ohne Zuschauer stabil laufen muss.